Die Welt atmet auf. Kommentar zur aktuellen Lage

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Meditation
(Bild: Okan Caliskan auf Pixabay)

Kanäle in Venedig werden klar, Delphine kehren in die Häfen des Mittelmeeres. Klarer Himmel war über Beijing zu sehen. Die Welt atmet auf.

Die Menschen laufen jedoch Amok. Die Gefahr ist da. Ein unbekanntes Virus. Damit kommt auch die Angst vor Krankheit, vorm Verlieren der Liebsten. Das ist völlig verständlich und menschlich. Aber mit den Vorsichtsmaßnamen der Quarantäne, des Home-Schooling und des Home-Office kamen noch ganz andere Sachen zum Vorschein.

Die meisten Menschen wissen weder mit sich selbst noch mit ihren Nächsten etwas anzufangen. Mit ihren Partnern, mit ihren Kindern. Menschen fühlen sich eingesperrt. Netflix hat sich sogar entschieden, die Qualität zu drosseln, damit das europäische Netz aufgrund des hohen Bedarfs nicht zusammenbricht. Es kommen Ratschläge, wie man eine innere Routine aufbauen kann, wenn die äußerliche fehlt. Die meisten Menschen erkennen, dass sie Schwierigkeiten haben, einen Rahmen ihrem Leben zu geben.

Im Sommer 2018 waren zwölf Jungen mit ihrem Fußballtrainer für 17 Tage in einer thailändischen Höhle eingeschlossen. Sie hatten weder frisches Wasser noch Licht. In den ersten neun Tagen wussten sie noch nicht einmal, ob jemand nach ihnen sucht. Sie haben alle überlebt. Ihr Trainer, der zuvor Jahre in einem buddhistischen Kloster Novize gewesen ist, hat ihnen Techniken beigebracht, die ihnen das Leben gerettet haben. Sie überlebten dank einer bewundernswerten Disziplin des Geistes, wie es scheint.

Disziplin des Geistes. Was ist das denn nur? Das ist die Kunst, seinen Geist unter Kontrolle zu behalten: nicht einem Kopfkino zum Opfer zu fallen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mit sich selbst umgehen zu können. Dies scheint unsere westliche Zivilisation verloren zu haben. Wenn die äußeren Rahmen wegfallen, scheinen viele den Grund unter den Füßen nicht mehr zu spüren. Das ist eine sehr traurige Erkenntnis über unsere Welt. Vielleicht bekommen wir nun alle die Möglichkeit, sich vordergründig mit uns selbst zu konfrontieren, damit auch letztendlich die Welt danach besser wird. Das hoffe ich.

Matylda Amat Obryk

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1 KOMMENTAR

  1. Ein Artikel zum Nachdenken. Etliche Mitmenschen haben tatsächlich den Boden unter den Füssen verloren. Der Befehl, „bleibt zu Hause“ gibt uns die Zeit, darüber nachzudenken. Nutzen wir sie.

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