EIKE – Krieger gegen den „Klimaschwindel“

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Tagebau Garzweiler
(Bild: Johannes Plenio auf Pixabay)

In der letzten Blicklicht-Ausgabe brachten wir den Artikel „Im Würgegriff der Kohlelobby“. In ihm ging es um den Lobbyverein „Pro Lausitzer Braunkohle“ und wie er versucht, die öffentliche Meinung in der Lausitz zu beeinflussen. „Die kleine Klimaschule“ ist ein neues Projekt, mit dem der Lobbyverein an die Schulen der Region herantreten will. Spiegel Online hatte darüber berichtet. Der Klimaleugner-Verein „Europäisches Institut für Klima und Energie“ (EIKE) wurde demnach in den Schulmaterialien auf eine Stufe mit dem renommierten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) stellt. Inzwischen sind die Unterlagen vom Netz genommen und sollen überarbeitet werden.

Weshalb diese Gleichsetzung brisant ist, wird bei einem genaueren Blick auf EIKE verständlich. Dieser Verein tritt nicht nur als Propagandist von Konzerninteressen auf, sondern wird auch zumindest indirekt von der diesen Unternehmen unterstützt. EIKE ist Teil des internationalen Netzwerks von „Klimaskeptikern“, das unter anderem von Energiekonzernen gut geschmiert wird. Dieses Netzwerk ist auch eng verbunden mit der politischen Rechten. EIKE hat beispielsweise engste Verbindungen zur Partei AfD und weist deutlich personelle und inhaltliche Überschneidungen mit dieser auf.

AfD- und Konzernpropaganda gehört nicht in die Klassenzimmer! (bm)


EIKE – Krieger gegen den „Klimaschwindel“

Das „Europäische Institut für Klima und Energie“, kurz: EIKE, hat sich in Deutschland zum Mittelpunkt einer Szene entwickelt, die den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel leugnet. Der Verein ist sehr betriebsam, organisiert Symposien und Kongresse, erstellt Gutachten, bietet eine Plattform für Diskussionen und Publikationen und unterhält gute Kontakte zur Alternative für Deutschland (AfD). Dass der Verein einen Fachbeirat mit zahlreichen Professoren als Mitglieder hat, verleiht ihm einen Hauch von Seriosität. Kratzt man allerdings ein wenig an der glänzenden Oberfläche, wird anderes sichtbar.

Auf der Internetseite des Vereins heißt es, die enge Verbindung von EIKE und führenden Wissenschaftlern gewährleiste, dass sich die Bildungsangebote stets an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Die Organisation Lobbypedia stellt auf ihrer Internetseite allerding klar: „Zu den Mitgliedern der EIKE-Gremien (Leitung und Fachbeirat) gehört jedoch kein einziger Meteorologe oder Klimatologe, der aktuell an einer wissenschaftlicher Forschungseinrichtung oder Universität tätig ist (Stand: 10/2019)“.

“Wir brauchen keine Klimaforscher”

Ein prominenter Vertreter von EIKE ist Horst-Joachim Lüdecke, ein fast 77-jähriger emeritierter Professor für Strömungsmechanik und Mitglied der AfD. Lüdecke fungiert als Pressesprecher des Vereins. Fast alle, die im Fachbeirat sitzen, seien Rentner sagte er einmal. Von sich selbst sagt er, er habe sich erst seit seiner Pensionierung mit dem Klima beschäftigt. Dass keine Experten im Fachbeirat sitzen, findet er nicht problematisch. „Wir brauchen keine Klimaforscher“, sagte er einmal, schließlich gebe es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Kohlendioxid die Atmosphäre aufheize.

Die Geschichte von EIKE beginnt vor der eigentlichen Gründung des Vereins und ist eng verbunden mit dem Entstehen der internationalen Szene von Klimaleugnern. Als Reaktion auf die Gründung des Weltklimarates taten sich unter anderem in den USA Auo-, Erdöl- und Kohlekonzerne zusammen und gründeten Organisationen wie „Global Climate Coalition“ oder „Information Council on the Environment“. Deren Ziel: Zweifel an der Klimaforschung säen. In Zeitungsanzeigen machten sie sich beispielsweise über Forscher lustig: „Manche sagen, die Erde erwärmt sich. Manche sagten auch, die Erde sei eine Scheibe.“

Energiekonzerne finanzieren “Klimaskeptiker”

Darüber hinaus finanzieren die Energiekonzerne über verschiedene Kanäle konservative Institute, die auftragsgemäß die Forschungen der Klimawissenschaften anzweifeln. In den Jahren 2003 bis 2010 sollen mindestens 558 Millionen Euro geflossen sein. Unter den Empfängern waren das American Enterprise Institute, die Heritage Foundation, das Manhattan Institute, das Cato Institute oder das Heartland Institute, die allesamt dafür bekannt sind, neoliberal zu sein und Aktivitäten der „Klimaskeptiker“ zu unterstützen. Das Heartland Institut, das in den USA seit Jahren Konferenzen organisiert, auf denen gegen die Klimawissenschaften agitiert wird, wurde beispielsweise für ebenjene Arbeit vom Ölriesen Exxon finanziert.

Mit ihren von Konzernen gesponsorten Kampagnen haben es die „Thinktanks“ geschafft, einen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung des Klimawandels herbeizuführen. Aus der drohenden Gefahr für die Menschheit wurde im Denken vieler Menschen eine Verschwörung. Und wenn Menschen glauben, hinter dem Klimawandel stecke eine Verschwörung von interessierten Kreisen, oder wenn die Menschen annehmen, das Wissen rund um den Klimawandel sei noch gar nicht gesichert, dann werden sie auch keine wirksame Klimaschutzpolitik unterstützen.

RWE soll Allianz gegen Klimaschutz schmieden

Was in den USA funktionierte, sollte auch in Europa gemacht werden. Greenpeace veröffentlichte 2005 ein Strategiepapier eines Lobbyisten, das für den deutschen Energiekonzern RWE bestimmt war. Darin wurde empfohlen, ein Aktionsteam nach US-amerikanischen Vorbild zu schaffen. In dem Papier hieß es, in den USA habe „eine informelle Koalition dazu beigetragen“, die Annahme es wirksamen Klimaschutzprogramms zu verhindern. RWE solle sich auf europäischer Ebene mit anderen Unternehmen zusammentun. „Andere Unternehmen (inkl. Vattenfall, Endesa, Lufthansa, Exxon, Ford) haben bereits Interesse bekundet“, hieß es in dem Schreiben weiter.

Ob in Deutschland oder in der Europäischen Union eine solche informelle Koalition zustande kam, ist nicht belegt. Sicher ist dagegen, dass die us-amerikanischen Institute auch in Europa ihren Einfluss ausbauten. Eines dieser Institute ist das „US Committee for a Constructive Tomorrow“ (CFACT), und mit CFACT schließt sich der Kreis zu EIKE. CFACT hat ein enges Verhältnis zur Öl- und Energiekonzernen und gilt laut Lobbypedia als ein wichtiger „Koordinator der internationalen Klimaleugner“.

Finanziert wird CFACT laut Lobbypedia von Konzernen wie Chrysler, Exxonmobil und Chevron. Allein für Exxon ist nachgewiesen, dass der Konzern innerhalb eines Jahres mindestens 582.000 Dollar an CFACT gezahlt hat. Es bestehen aber auch gute Kontakte zu den Konzernen der Gebrüder Koch, die ebenfalls im Öl- und Energiesektor tätig sind und Finanziers der rechten Tea-Party sind.

EIKE-Präsident bei Lobbygruppen

EIKE-Präsident Holger Thuß arbeitete einem Bericht der Wochenzeitung ZEIT aus dem Jahre 2010 zufolge für die US-Lobbygruppe CFACT. Von dort habe er auch die Idee zur Gründung von EIKE mitgebracht. Der CDU-Politiker gründete den europäischen Ableger CFACT Europe, der an der gleichen Adresse zu erreichen war wie EIKE, und war ebenfalls dessen Vorsitzender. Laut Internetseite von CFACT bestand Thuß‘ Aufgabe darin, mit Konferenzen und Seminaren Stimmung gegen die Klimaschutzpolitik zu machen. Bücher, die den Klimawandel als Lüge darstellen wollten, sollte Thuß aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen lassen und verbreiten. Ein großes Event der Lobbyorganisation war die Alternative Klimakonferenz 2007 in Berlin, die gemeinsam mit EIKE und dem Heartland Institue organisiert wurde.

Auf der eigenen Internetseite behauptete CFACT Europe, dass es sich nur über private Spenden finanziere. Inzwischen ist aber nachgewiesen worden, dass die Arbeit in Europa mit Geldern aus den USA ermöglicht wurde.  Es liegt nahe, dass CFACT auch direkt EIKE unterstützt. Craig Rucker, Geschäftsführer von CFACT, sagte dem englischsprachigen Internetmagazin Unearthed zufolge, seine Organisation unterstütze EIKE in jeder möglichen Weise.

Zwischen CFACT und EIKE gibt es laut Lobbypedia aber nicht nur in der Person von Holger Thuß Überschneidungen. Wolfgang Müller, Generaldirektor von EIKE, ist demnach bei CFACT verantwortlich für das „Climate Change Programme“. Richard S. Courtney, ist Mitglied im Fachbeirat von EIKE, und er sitzt auch im Beirat von CFACT.

Thuß‘ Lobbyarbeit beschränkt sich aber nicht nur auf die Arbeit bei CFACT und EIKE. Er ist auch Berater des Heartland Instituts. Diese konservative Denkfabrik gibt in den USA in der Szene den Ton an und organisiert seit Jahren große Konferenzen gegen die Klimaschutzpolitik. Redner auf diesen Konferenzen vergleichen gern die Klimaforschung mit der politisch gewollten Eugenik des frühen 20. Jahrhundert. Es werden auch Blogger, Internetseiten und scheinbar neutrale Organisation finanziert, die Zweifel an den Ergebnissen der Klimawissenschaften verbreiten sollen. Ebenso lässt das Institut Materialien für Schulen erstellen. In die Schlagzeilen geriet das Institut mit einer Werbekampagne, bei der Klimaschützer mit Mördern und Diktatoren verglichen wurden.

Beste Kontakte bestehen dabei auch zwischen Heartland Institute und der politischen Rechten. Die Süddeutsche Zeitung schrieb einst: „Zahlreiche Mitglieder des Heartland Institutes sind am rechtskonservativen ‚International Policy Network‘ beteiligt oder am ‚Bruges Group‘, einem eurokritischen Think-Tank des Königreichs, der wiederum enge Verbindungen zur rechtsradikalen British National Party unterhält“. Finanziert wird das Heartland Institute nicht nur von der Industrie, sondern auch von Stiftungen wie der der Mercer Familie, die ihrerseits Großspender von Donald Trumps Wahlkampf waren.

Überschneidung mit AfD

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass es zwischen EIKE und deutschen Marktradikalen und Rechten, genau: mit der AfD, auch erhebliche Überschneidungen gibt. EIKE-Pressesprecher Lüdecke ist Mitglied der AfD und in ihrem Fachbeirat Energiepolitik tätig. EIKE-Vizepräsident Michael Limburg trat bei der Bundestagswahl 2017 auf der Brandenburger Landesliste der AfD an, arbeitet unter anderem für den AfD-Bundestagsabgeordneten Karsten Hilse und ist laut Lobbypedia auch im Fachbeirat Energiepolitik der AfD tätig. Karl-Heinz Krause, Mitglied der AfD und deren Bundesfachausschusses Energie sowie stellvertretender Vorsitzender der AfD-nahen Desiderius-Erasmus Stiftung veröffentlicht laut Lobbypedia regelmäßig Beiträge bei EIKE. Verschiedene andere Autoren von EIKE sind in den letzten Jahren ebenfalls Mitglieder der AfD geworden. Michael Limburg hatte 2014 zusammen mit Burkhard Reimer und Günter Keil ein „Energiepolitisches Manifest“ veröffentlicht. Reimer und Keil traten nicht nur der AfD bei, ihre Thesen gingen auch zum Teil in die Programmatik der Partei ein.

Die TAZ hatte schon 2013 geschrieben, dass von den fünfzehn Mitgliedern des Fachbeirates Energiepolitik gehörten 12 eindeutig den „Klimaskeptikern“ an. Innerparteiliche Kritiker von der rechtsökologischen Herbert-Gruhl-Gesellschaft machten in einem Bericht EIKE dafür verantwortlich, dass sich die „Klimaskeptiker“ in der Partei durchgesetzt hätten. Schließlich seien führende Mitglieder der AfD Mitglied von Eike. Und deren Tenor sei: Was nicht auf deren Linie ist, ist nur „dummes Zeug“.

Dieser Artikel entstammt der Februar-Ausgabe (2020) der Cottbuser Kulturzeitschrift Blicklicht.

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