Falsche Versprechen, Drohungen, Kooperationsverweigerung – Chronik der Cottbuser Brache veröffentlicht

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Die Chronik einer Cottbuser Farce. Herausgegeben von der Bürgerinitiative
Die Chronik einer Cottbuser Farce. (Bild: © Stadtpromenade für alle)

(Cottbus.) Die Bürgerinitiative „Stadtpromenade für alle“, die sich für die Vergesellschaftung der Brachfläche im Stadtzentrum von Cottbus einsetzt, veröffentlicht eine umfangreiche Chronik der Brache. Auf Grundlage von mehr als 100 Presseberichten zeichnen sie die Vorgänge nach, die erst zur Brache und dann zum Stillstand auf der Fläche führten.

Bautermine wurden mindestens 13-mal verschoben

Die bislang umfangreichste zusammenhängende Faktensammlung zur Cottbuser Brachfläche geht in 18 Kapiteln die Stationen des Niedergangs der Stadtpromenade von der Privatisierung durch die Treuhand bis hin zum September 2020 durch. Auf der Chronik-Webseite von „Stadtpromenade für alle“ findet sich dabei schon weit oben eine Übersicht der geplatzten Termine für den Baustart. Mindestens 13‑mal setzte demnach die EKZ Stadtpromenade GmbH ihre Ankündigungen nicht um. Deutlich wird außerdem, wie die Baukonzepte für die Stadtpromenade schrittweise unattraktiver und kleiner werden und wie der Investor die Stadt unter Druck setzte, um sie in offenen Fragen herunterzuhandeln.

Vergesellschaftung ist nicht vom Tisch

Nach Ansicht von „Stadtpromenade für alle“ zeigen die bisherigen Debatten um die Brache ganz deutlich, dass Cottbus nur wegen der Besitzverhältnisse auf der Fläche nicht vorankommt. Die Stadt verzichtete 2006 auf ihr Vorkaufsrecht, weil sie davon ausging, dass der Investor bald bauen würde. Dass Cottbus überhaupt seine eigene Innenstadt von der Treuhand hätte zurückkaufen sollen, sei schon völlig inakzeptabel, so die Initiatoren von „Stadtpromenade für alle“. Nun stelle sich der Geschäftsführer der EKZ Stadtpromenade GmbH auch noch hin und sage, wenn wir nicht bauen können, was wir wollen, machen wir eben etwas ganz anderes. Es sei Zeit, dass die Stadt Cottbus ganz klar einen Richtungswechsel einschlägt. Die Stadtspitze habe unzählige Male nachgegeben, wurde enttäuscht und an der Nase herumgeführt. Dieser Ansatz sei gescheitert. Jetzt müsse eine Rekommunalisierung das erklärte Ziel der Stadt sein, sonst würden sich die Enttäuschungen noch ewig fortsetzen.

Traumfabrik lädt zum Mitgestalten ein

Das große Engagement von Bürgerinitiativen wie „Stadtpromenade für alle“, „Schönes Cottbus“ sowie die neue „City-Allianz“ zeigen, dass die Stadtpromenade für die Cottbuserinnen und Cottbuser nicht nur eine Fläche unter vielen ist. Sie hängen an ihrem Stadtzentrum und sie haben eigene Wünsche und Ideen für die Zukunft im Herzen der Stadt. Die Verwahrlosung dort trifft sie persönlich. Gemeinsam mit dem jungen Planungsbüro „kollektiv stadtsucht“ haben „Stadtpromenade für alle“ daher eine sogenannte Traumfabrik ins Leben gerufen. Auf Postkarten, die in der Stadthalle ausliegen, können die Cottbuserinnen und Cottbuser ihre Visionen für die Stadtpromenade festhalten und zurückschicken. Über die Social-Media-Kanäle von „kollektiv stadtsucht“ wird auch ein Link bereitgestellt, über den die Postkarten digital bezogen und Vorschläge hochgeladen werden können. In der Zukunft können die gesammelten Vorschläge auch Grundlage für eine professionelle Neugestaltung der Fläche sein.

Die Chronik kann unter folgender Adresse gelesen werden: https://stadtpromenade-fuer-alle.de/chronik-der-brache/

(pm)

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