Faust: Das Leben des Magiers und Quacksalbers

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Faust: Das Leben eines Magiers und Quacksalbers
Faust: Das Leben eines Magiers und Quacksalbers (Foto: Pixabay/CC0)

Faust ist eine bekannte Figur der deutschen Literatur. Goethes Meisterwerk dürften die meisten in der Schule behandelt haben. Nicht wenige waren von ihm fasziniert. Von Rosa Luxemburg wird beispielsweise die Geschichte erzählt, sie habe selbst noch kurz vor ihrer Ermordung, als sie schon in den Händen ihrer Mörder war, noch in ihrer Ausgabe von »Faust« gelesen.

Was wahrscheinlich aber nicht alle wissen: Faust ist nicht nur eine Sagengestalt; ihn gab es wirklich. Knittlingen, eine kleine, beschauliche Stadt in Baden-Württemberg, ist sein Geburtsort. Dort befindet sich ein Museum, in dem man den Quacksalber, Astrologen, Wahrsager, Alchemisten und Scharlatan namens Johann Georg Faust kennenlernen kann, der dort gegen 1500 gelebt hat.

Über sein Leben ist wenig bekannt, es gibt nur wenige Quellen, dafür jede Menge Spekulationen. Oliver Pötzsch, ein erfolgreicher Autor von historischen Romanen, hat sich seiner angenommen. »Der Spielmann. Die Geschichte des Johann Georg Faustus« ist das Buch, in dem Pötzsch die historische Figur Faust zum Leben erweckt. Pötzsch hat sich die zahlreichen Sagen angeschaut, die von Faust handeln, und verarbeitete sie in seinem Roman.

Das Deutsche Reich am Ausgang des Mittelalters ist geprägt von Stumpfsinn und Aberglauben. Die katholische Kirche verliert zunehmend ihre Allmacht. Gerade im frühen Bürgertum erkennen viele, dass ihr Erfolg weniger mit der Vorstellung von einem Gott zu tun hat als mit Fleiß und einer guten Portion Rücksichtslosigkeit. Gleichzeitig erwachen die Wissenschaften, auch wenn sie noch gegen das Dogma der Kirche ankämpfen müssen.

Oliver Pötzsch: Der Spielmann. Die Geschichte des Johann Georg Faustus
Oliver Pötzsch: Der Spielmann. Die Geschichte des Johann Georg Faustus (Cover: Ullstein Buchverlage)

Unter diesen Bedingungen wird Faust in Knittlingen geboren und wird dort groß. Der Junge fällt auf: Es gibt wohl niemanden im Ort, der so wissbegierig ist, der jede Gelegenheit nutzt, um zu lesen. Geistig ist er seinen Altersgenossen weit voraus und wird dafür gehänselt. Heute würde man sagen, er wurde gemobbt.

Eines Tages geschehen unheimliche Dinge in Knittlingen und in der Umgebung des Städtchens. Kinder verschwinden spurlos, auch Fausts Bruder. Seine Jugendliebe Margarethe verliert die Sprache, nachdem sie sich mit Faust im Wald liebte und etwas Schreckliches ansehen musste. Schließlich wird Faust davongejagt und seine Reise quer durchs Heilige Römische Reich Deutscher Nationen beginnt. Was er nicht weiß: Das dunkle Geheimnis, weshalb die Kinder verschwanden, wird ihn stets auf seiner Reise begleiten. So gern er auch möchte, die unheimlichen Geschehnisse kann er nicht vergessen.

»Der Spielmann« ist ein packend geschriebener Roman, den man nur ungern aus der Hand legen möchte. Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf.

Die Buchvorstellung erschien zuerst in der Februar-Ausgabe der Cottbuser Kulturzeitschrift »Blicklicht«.

Oliver Pötzsch (2018): 
„Der Spielmann. Die Geschichte des Johann Georg Faustus“ 
Berlin: Ullstein Buchverlage 
784 Seiten
ISBN: 978-3-360-01340-8
Preis: 22 €