Gericht: Kein Cannabis bei ADS/ADHS

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Gericht beschränkt medizinische Verabreichung von Cannabis.
Gericht beschränkt medizinische Verabreichung von Cannabis. (Foto: Pixabay/CC=)

Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG) hat im Dezember entschieden, dass Cannabis keine anerkannte Ausweichbehandlung bei ADS/ADHS ist. Die Piratenpartei kritisierte daraufhin das Urteil.

Zugrunde lag das Verfahren eines 31-jährigen Mannes aus Göttingen, der an einer ADS/ADHS-Erkrankung litt. Eine Therapie mit Ritalin verursachte Schwäche, Appetit- und Kraftlosigkeit als Nebenwirkungen. Der Mann wandte sich an einen laut Gericht umstrittenen Arzt und Aktivisten, der ihm Cannabis zur Symptombehandlung empfahl. Da der Arzt inzwischen über keine Kassenzulassung mehr verfügte, erfolgte die Verordnung in Zusammenarbeit mit einem zugelassenen Allgemeinmediziner.

Die Krankenkasse lehnte die Kostenübernahme ab, da keine schwerwiegende Erkrankung vorliege und die Verwendung von Cannabis bei diesem Krankheitsbild medizinisch zweifelhaft sei. Im gerichtlichen Eilverfahren wollte der Mann die umgehende Versorgung erreichen, da er das Präparat zur Linderung gravierenden Symptome dringend benötige.

Das LSG hat die Rechtsauffassung der Krankenkasse bestätigt. Cannabis könne nur bei schwerwiegenden Erkrankungen verordnet werden. Bei dem Antragsteller sei noch nicht einmal die Diagnose ADHS gesichert. Gesichert sei hingegen, dass er völlig auf die Medikation mit Cannabis fixiert sei. Der Arzt habe weder eigene Befunde erhoben, noch Diagnosen gestellt. Wegen seiner Therapiethesen sei er als Mediziner umstritten. Die medizinische Studienlage lasse laut Gericht den Nutzen von Cannabis bei dieser Erkrankung zweifelhaft erscheinen, denn Cannabis könne das Risiko für ADHS im Erwachsenenalter sogar steigern. Hyperaktive Symptome einer Erwachsenen-ADHS seien mit problematischem Cannabisumgang assoziiert.

“Die Sozialgerichte werden zunehmend mit ähnlichen Fällen befasst”, erläuterte LSG-Pressesprecher Carsten Kreschel die jüngste Entwicklung. “Das neue Gesetz hat bei einigen Menschen falsche Vorstellungen geweckt. Cannabis soll schwere Krankheiten lindern, es ist keine beliebige Behandlungsalternative oder Hilfe zur Alltagsbewältigung.”

Besonders die letzten Punkte in der Argumentation des Gerichts will die Piratenpartei nicht gelten lassen. “Unabhängig von den speziellen Umständen um die Beurteilung des Gesundheitszustandes des Klägers bemängeln wir die Einschätzung der Krankenkasse und des Gerichts, cannabishaltige Medikamente würden bei einer ADS-/ADHS-Erkrankung keine Wirksamkeit haben und die Symptome sogar verstärken,” stellt Nadine Witt-Luckmann, themenpolitische Sprecherin für Drogen- und Suchtpolitik der Piratenpartei Niedersachsen, fest.

“Denn”, so Witt-Luckmann, “sehr wohl gibt es Studien, die genau das Gegenteil belegen. So untersuchte der US-Amerikaner Dr. David Bearman unter anderem den Zusammenhang zwischen dem Endocannabinoidsystem und ADHS. Das Ergebnis: Die Wirksubstanzen in Cannabis, die Cannabinoide wie THC oder CBD enthalten, können den Körper dabei unterstützen, den bei ADS- und ADHS-Patienten vorhandenen Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Voraussetzung dafür ist, dass der Medizinalhanf bei ADHS bzw. ADS richtig dosiert und verabreicht wird. Und das sollte möglichst nicht in Eigenmedikamentation erfolgen, sondern unter ärztlicher Aufsicht. Und damit auch unter Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen.” [1]

 

Quellen:

[1] https://www.leafly.de/cannabis-bei-adhs-und-ads/

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