Gute Laune statt scharfer Hetze – Cottbuser Bürgerschaft wehrt sich gegen „AfD-Stadt“-Image

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Cottbus ist mehr als AfD und braunes Gedankengut. Gut gelaunt feiern sie ein Bürgerfest im Puschkinpark
Cottbus ist mehr als AfD und braunes Gedankengut. Gut gelaunt feiern sie ein Bürgerfest im Puschkinpark (Foto: Uwe Tischer)

Der Puschkinpark in der Cottbuser Innenstadt füllt sich am 13. Juli ab 15 Uhr mit fröhlichen Menschen. Es werden im Laufe des Nachmittags gut 700 Besucher auf dem Bürgerfest sein, während nur wenige Hundert Meter entfernt eine AfD-Veranstaltung stattfindet.

„Ich habe so die Nase voll. Seit ein paar Jahren ist Cottbus immer öfter als Hochburg der Rechten im Fokus der medialen Berichterstattung. Das wird der Stadt und seinen Menschen nicht gerecht!“, sagt eine aus dem Organisationsteam. Tatsächlich feiert zeitgleich die AfD ihren Auftakt für den Wahlkampf zur Landtagswahl.

Die Organisatoren des Bürgerfestes bekräftigen: „Uns geht es nicht um das Verhindern einer Wahlkampfveranstaltung, sondern uns passt nicht, dass hier der „rechte Flügel“ der AfD und speziell Björn Höcke reden soll. Als wir hörten, dass er herkommt, haben wir das Bürgerfest organisiert. Wir wollten der Presse, die wegen ihm anreist, einfach zeigen, dass es auch das andere Cottbus gibt und wir keineswegs eine sogenannte Frontstadt sind.“

Die überparteiliche Initiative stemmte in nur fünf Tagen eine Onlinekampagne unter dem Hashtag „Platzverweishöcke“ und „Appellvoncottbus“ mit enormer Reichweite aus dem Boden. Am Samstagnachmittag dann bringen die Cottbuser Kuchen und Salate für ein Picknick mit, die Lausitzer Wasser Gesellschaft ist mit dem Wassermobile vor Ort, Studenten und Flüchtlinge kochen Suppe, es gibt Paella, eine Hüpfburg, Bastelstände und Kinderschminken. Verschiedene Parteien bauen Infostände auf, verteilen Kaffee und pressen Buttons. Die Stimmung ist entspannt und freundlich.

„Ich kann gar nicht aufhören mich zu freuen! Wenn ich mich hier umschaue, dann sehe ich jede Menge tolle Menschen. Das ist für mich Cottbus“, sagt Conny Meißner, die als Moderatorin der Kulturbühne durch den Tag führt. Das Programm vermittelt ebenfalls einen Blick auf die Vielfalt der Lausitzmetropole. Da stehen Singer-Songwriter wie Kathrin Clara Jantke, Torsten Karow, Sebastian Thiele und Pitkunnig auf der Bühne; mit dabei waren Poetry Slamer, Sopranistin Julie Szerzinsky, Schauspieler Michael Becker, Salsatänzer, die Punkband Hundert11, Trip Pop Band „Five Spirits“ und Emotional Winter mit Darkrock. Alle Künstlern sind Cottbuser.

Als Höhepunkt des Abends, während die Organisatoren der AfD-Veranstaltung schon abbauen, spielt eine Band aus verschiedenen Musikern, die sich nur für diesen Tag gefunden haben, drei Songs. Die Besucher singen und tanzen mit und mit „Bella ciao“ endet eine Veranstaltung, auf die die Initiatoren stolz sind.

„Wir sind total geflasht von dem Zuspruch, der guten Stimmung und dem großen Engagement der Cottbuser“, sagen sie. Und weiter: „Das hat uns Mut gemacht, weiterhin Position zu beziehen und dieser rechten Gesinnung keinen Platz in unserer Stadt zu lassen.“

Dass das Thema wirklich wichtig ist, scheinen auch viele Politiker verschiedenster Parteien so zu sehen, denn sie sind als Gäste an diesem Tag ebenfalls im Puschkinpark. Selbst der Oberbürgermeister der Stadt, Holger Kelch, ist vorbeigekommen. Auf der AfD-Veranstaltung erschienen nach Medienberichten ca. 1000 Menschen aus unterschiedlichen Bundesländern.

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3 KOMMENTARE

  1. Ein sehr emotionaler Tag, der in einer schlaflosen Nacht noch lange Nachteil fen hat!

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