Olaf Sundermeyer: Die Rache des alten Mannes. Ein Buch über Alexander Gauland

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Buchcover: Olaf Sundermeyer - Gauland. Die Rache eines alten Mannes
(Foto: Cornelia Meißner)

Das Foto auf dem Cover ist mit großen Buchstaben „zerpuzzelt“. Aus dem „U“ fixiert uns ein Blick mit eisiger Kälte, im Mittelpunkt ein Mann, der die Regierung jagen will. Der Mund im „D“ ist unbewegt. Sofort ist klar: es geht um einen, dem über seinem 70igsten Lebensjahr im Grunde alles egal ist. Er hat es allen bewiesen und agiert nun nach dem Motto: „Nach mir die Sintflut!“

Der, um den es geht, ist Alexander Gauland, Strippenzieher der sogenannten Alternative für Deutschland. Der Autor nimmt uns mit auf die Reise durch eine politische Laufbahn, die einst im Westen der BRD begann und nun ihren Höhepunkt vor allem im Osten des Landes nimmt. Wir lernen einen Politprofi, PR-Mensch und Strategen kennen, seinen Werdegang, seine Begleiter und die Lebensstationen.

Der ARD-Investigativ-Reporter Olaf Sundemeyer beschreibt sehr anschaulich, wie Gauland sein Handwerk von der Pike auf bei der Hessen-CDU lernt und es versteht, jahrzehntelang als Beamter geschickt auf diplomatischem Parkett zu dienen, zu vernetzen und seine Vorteile zu erkennen. Immer in der zweiten Reihe. Wir begegnen einem Gentleman, konservativ, stilvoll, distanziert und zwischenzeitlich an Depressionen erkrankt. Wir sind dabei, wenn Gaulands Karriere einen Knick bekommt, als ihn Helmut Kohl zu glatt findet. Dank guter alter Beziehungen geht er nach dem Mauerfall nach Brandenburg und wird zum Herausgeber der Märkischen Allgemeinen in Potsdam. Erst im sicheren, voll versorgten Ruhestand beginnt der Mann sich nach vorn zu schieben. Er beißt ab jetzt in die staatliche Hand, die ihn einst fütterte und öffnet dabei – ungeachtet aller Gefahren – die Tore für das Erstarken von rechtspopulistischen Denk- und Verhaltensstrukturen.

Ich habe das Buch regelrecht verschlungen und bin dem Autor dankbar für die stilistische Eingänglichkeit, mit der er die verschlungenen Zusammenhänge im Politdschungel auseinanderklamüsert. Die Begegnungen mit Familie und Weggefährten lassen tiefe Einblicke in die Beweg- und Abgründe der heutigen Verhaltensweisen des Alexander Gauland zu. Dieses Buch beschreibt den Werdegang eines Mannes, dessen Agieren symptomatisch ist für den heutigen Zustand manch handelnder (leider erfolgreicher) Personen, geprägt von gekränkter Eitelkeit, Egozentrismen und dem Anflug von Narzissmus.

Olaf Sundermeyer liefert mit diesem Buch eine feine Betrachtung des Mannes, der der geistige Anführer der AfD ist und Brandstiftern freien Raum bietet. Für die Leserschaft kann es eine Analyse sein, mehr Klarheit schaffen und vielleicht ergeben sich Ansätze für einen erleichterten Umgang mit der AfD. Ich finde, dieses Buch ist ein absolutes Muss für alle Menschen, denen unser Land und die Demokratie am Herzen liegen, denn es hilft zu wissen, mit wem wir es zu tun haben!

Zum Autor: Olaf Sundermeyer gehört zu den profiliertesten Kennern der rechten Szene in Deutschland. Er arbeitet als ARD-Reporter im Investigativteam des RBB. Wegen seiner Expertise zu Extremismus und innerer Sicherheit ist er häufig in Rundfunk und Fernsehen präsent, seine Fernsehreportagen wurden mehrfach ausgezeichnet. Bei C.H. Beck erschien zuletzt „Bandenland. Deutschland im Visier von organisierten Kriminellen“ (2017).

Zum Buch:

Olaf Sundermeyer: Gauland – Die Rache des alten Mannes
Verlag C.H. Beck, Paperback
Preis: 14,95 €
ISBN: 978 3406 727108 

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