Platzverweis Höcke: Cottbus bleibt mehr!

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Bürgerdialog
(Bild: Gerd Altmann auf Pixabay)

Die AfD Brandenburg feiert voraussichtlich ihren Wahlkampfauftakt am Sonnabend in Cottbus. Umstrittene Redner der Partei wollen sich vor der Stadthalle ein Stelldichein geben – neben Hüpfburg und Kinderschminken. Mit dabei sind prominente Vertreter des umstrittenen rechts Flügels der Partei, unter anderem Thüringens Landeschef Björn Höcke oder Brandenburgs Spitzenkandidat Andreas Kalbitz.

Cottbuser Lokalpolitiker hatten sich nach Angaben der Lausitzer Rundschau (LR) am Dienstagabend getroffen und über einen offenen Brief an den Landesverband der AfD beraten. In dem Schreiben soll es heißen, dass man Rednern wie Höcke in der Stadt keine Bühne geben dürfe. Dieser würde den Holocaust leugnen und in der Sprache aktiv Parallelen zu Vertretern des Hitlerfaschismus suchen.

Laut LR fordern die Verfasser des Briefes, Höcke keine Redezeit zur Verfügung zu stellen. Zu den Unterzeichnern sollen Philipp Gärtner (Unser Cottbus), Gunnar Kurtz (SPD) und André Kaun (Linke) gehören. Vertreter anderer Fraktionen würden noch beraten, ob sie sich dem Schreiben anschließen.

Eine andere Initiative ruft die Cottbuser auf, sich im Puschkinpark zu treffen und allen zu zeigen, wie vielfältig und bunt das Leben in ihrer Stadt tatsächlich ist. Wer möchte, kann etwas zu Essen mitbringen und es mit anderen teilen, nette Gespräche führen, und die Kunstschaffenden sind eingeladen, etwas zur Unterhaltung beizutragen.

 

An dieser Stelle dokumentieren wir noch die Erklärung der Initiative „Cottbus bleibt mehr“.

Der Stadt Cottbus wird an diesem Wochenende eine zweifelhafte Ehre zu Teil: Die sogenannte Alternative für Deutschland gibt den Startschuss für den Landtagswahlkampf 2019. Dabei geht es weder explizit um Cottbus noch um das Land Brandenburg – sondern um den Wahlkampfauftakt in den ostdeutschen Bundesländern. Dem „Kernland“ des sogenannten Flügels.

Es wird vor allem ein Stelldichein dieser innerparteilichen Bewegung, vor der vermutlich selbst Parteien wie die NPD ehrfurchtsvoll ihren Hut ziehen. Neben der Gallionsfigur dieser rechtsaußen-Gruppe, Bernd (Björn) Höcke, wird auch der ewige Zweite, Andreas Kalbitz vor Ort sein. Komplettiert wird das Dreigespann durch den derzeit vielleicht größten Verlierer innerhalb der Partei, Sachsens Parteichef Jörg Urban. Der Kopf jenes Landesverbandes, der sich bei der Aufstellung seiner Listenkandidaten für die Landtagswahl so dermaßen dilettantisch verhalten hat, dass der schon sicher geglaubte Sieg quasi unmöglich wird. Noch-Parteichef Jörg Meuthen wird ebenfalls erwartet – um der weiteren Demontage seines Einflusses in der AfD beizuwohnen. Denn vieles deutet darauf hin: Beerben könnte ihn Björn Höcke. Der thüringische Landesvorsitzende ist auch innerhalb der Partei hochumstritten, wird aber geduldet. Denn er bringt verlässlich Stimmen, vor allem aus der heterogenen Gruppe der extremen Rechten.

Auf diesen Effekt setzt die AfD am Samstag auch in Cottbus. Aber dieses Mal passiert etwas in der Stadt. Cottbus steht in diesem Fall stellvertretend für die vielen Städte landes- und bundesweit, in denen sich Widerstand regt. Die Cottbuser wollen es nicht mehr hinnehmen, dass auf ihren Plätzen Hass gepredigt wird, ausländische Mitbürger pauschal zu Kriminellen erklärt oder Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Und wir laden ein: In unmittelbarer Nähe zum von der AfD als „Volksfest mit Hüpfburg und Kinderschminken“ beworbenen Hassveranstaltung wird es einen deutlich sichtbaren Gegenpol geben. Keine Gegenveranstaltung, sondern ein eigenständiges Angebot an die Cottbuser, ihre Gäste, an Menschen aus ganz Deutschland, die gemeinsam eine schöne Zeit verbringen wollen. Verschiedene Bürger der Stadt organisieren ein Familienfest im Puschkinpark. Im Fokus steht dabei ein Miteinander, kein Gegeneinander. Gemeinsam wollen wir an einer Vision für diese Stadt arbeiten, konstruktiv sein ohne auszugrenzen. Die extremen Rechten sehen in Cottbus einen Hoffnungsschimmer. Eine nationale Bastion, von der aus das Land auf rechts gekrempelt wird. Gemeinsam können wir zeigen, dass rechtsextreme Phantasien am Ende genau das sind: Hirngespinste.

Dafür braucht es Unterstützung. Wir laden alle ein, am Samstag nach Cottbus zu kommen und mit uns gemeinsam zu feiern, zu essen und eine schöne Zeit zu verbringen. Wir wissen: Wir sind nicht die Einzigen, die keine Lust mehr haben von sogenannten „besorgten Burgern“, Hand in Hand mit Neonazis, in Geiselhaft genommen zu werden. Wir sind nicht die Einzigen, die für eine offene Gesellschaft und ein Miteinander von Kulturen, Sprachen und Menschen einstehen. Wir sind immer noch mehr.

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