Staatstheater Cottbus: „Der Liebestrank“ in homöopathischen Dosen

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Szenenfoto mit: (im Vordergrund, v.l.n.r.) Rahel Brede (Gianetta), Mirjam Miesterfeldt (Adina) und Andrei Danilov (Nemorino) sowie Damen und Herren des Opernchores
Szenenfoto mit: (im Vordergrund, v.l.n.r.) Rahel Brede (Gianetta), Mirjam Miesterfeldt (Adina) und Andrei Danilov (Nemorino) sowie Damen und Herren des Opernchores (Foto: Marlies Kross)

Am letzten Tag vor der Spielzeitpause stand nach der erfolgreichen Premiere am 22.6.2019 nochmals die Inszenierung auf dem Programm und begeisterte das Opernpublikum.

Das  interessante Bühnenbild (Markus Meyer), das zu Beginn das Sterbezimmer der alten Adina, Protagonistin der Handlung, zeigt, öffnet sich dann (alles während der Ouvertüre) für den Rückblick auf die zu erzählende Geschichte zu einer Straßenszene in einem italienischen Hafenstädtchen.

Gaetano Donizetti, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelebt hat, komponierte neben seinen großen tragischen Opern, von denen u.a. noch die Inszenierung der „Lucia di Lammermoore“  mit der wunderbaren Cornelia Zink  auf der Staatstheaterbühne in Erinnerung ist, auch heitere Musikdramen. Insgesamt sind wohl 71 Opern aus seiner Feder belegt. Der international sehr umtriebige und erfolgreiche  Opernregisseur Anthony Pilvachi hatte in Cottbus schon sehr erfolgreich Verdis Oper „Rigoletto“ und Mozarts „Don Giovanni“  auf die Bühne gebracht. Er und sein Ausstatter versetzen die Opernhandlung des „Liebestrankes“ von einem Landgut in das besagte Hafenstädtchen und ins 20. Jahrhundert. Aus Bauersleuten und Landadeligen in Donizettis Opernhandlung werden Stadtbewohner und Touristen.

In der Handlung geht es um den unglücklich verliebten Nemorino, der in der 3. Vorstellung stimmlich und darstellerisch sehr überzeugend vom russischen Tenor Andrei Danilov (Gast) gesungen wurde.  Besagter Nemorino, ein Backwarenverkäufer, geht, weil seine Angebetete Adina (wunderbar Mirjam Miesterfeldt) ihn nur auslacht, einem Quacksalber auf den Leim und ersteht für viel Geld einen angeblichen Liebestrank. Der soll ihn laut Aussage des Verkäufers so liebreizend machen, dass Adina ihn erhören muss. Natürlich gibt es noch ein paar Verwicklungen, denn Adina reagiert zunächst verärgert über den auf einmal sehr selbstbewussten Nemorino (der Liebestrank war schlicht ein offensichtlich hochprozentiger Wein) und verspricht einem anderen Verehrer, dem sehr  dünkelhaften, selbstverliebten Sergeanten Belcore die Ehe. Die Rolle singt ein in jeder Hinsicht überzeugender Nils Stäfe, den man bis jetzt nur im Opernchor oder in kleinen Rollen erleben durfte. Natürlich gibt es in einer heiteren Oper ein Happy End, und so bekommen sich Adina und Nemorina und sind glücklich bis zum Ende ihrer Tage.

Donizetti hat sehr ambivalente Musik komponiert, denn die Figuren dieser opera buffa sind nicht durchgängig clownesk angelegt, sondern es gibt besonders für Nemorino große, sehr ernste Belcanto-Arien. Danilov bekommt Szenenbeifall für seine wundervoll gesungene Arie „Una furtiva lagrima“. Die Buffo-Partien werden in dieser Oper von zwei Baritonen gesungen, und sowohl KS Henneberg, Mitglied  der Semperoper Dresden, der in Rolle des Wunderheilers Dulcamara mit dem Fallschirm im Städtchen landet, als auch Stäfe als Sergeant Belcore bieten neben überzeugenden stimmlichen Leistungen viel Spielwitz auf. Mirjam Miesterfeldt, die seit dieser Spielzeit festes Mitglied des Cottbuser Opernensembles ist, gestaltet die Sopranpartie mit großer stimmlicher Sicherheit und Leichtigkeit, ihre Stimme perlt virtuos durch die Koloraturen der Adina, und es macht großen Spaß, ihr zuzuhören und zuzuschauen.

Überhaupt ist der Regie sehr viel Witziges eingefallen. Sie folgt der überbordenden Melodiefülle des Komponisten und lässt die Akteure des Ensembles in einer temporeichen, stimmigen Spielweise agieren. Die Damen und Herren des Opernchores  (Leitung Christian Möbius) ergänzen nicht unerheblich in gewohnter Spiellaune und stimmlich sicher die Solisten. Am Orchesterpult stand der russische Dirigent Sergey Simakov, der das Orchester sicher die das turbulente Fahrwasser des „Liebestrankes“ leitete.

Wer allerdings hofft, und das taten etliche Opernfreunde und vielleicht auch diejenigen, die es noch werden wollen,  dass sie in der neuen Spielzeit nach den guten und sehr guten Kritiken recht bald den „Liebestrank“ sehen könnten, muss sich bis Mai 2020 gedulden. An anderer Stelle hatte ich mich schon einmal über die merkwürdigen Ansetzungen des Staatstheaters gewundert. Aber das Warten auf die Wiederaufnahme im Frühjahr 2020 lohnt sich auf jeden Fall.

Angelika Koch

Der Artikel entstammt dem Cottbuser Kulturmagazin “Blicklicht” (Ausgabe: Oktober 2019).

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