Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland auf neuem Höchststand

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Die Schere zwischen Armut und Reichtum öffnet sich immer weiter, so eine neue Studie.
(Bild: Christine Schmidt auf Pixabay)

Die Schere zwischen arm und reich geht in Deutschland immer weiter auseinander. Bei den verfügbaren Einkommen befinde sich die Ungleichheit trotz der über Jahre gute wirtschaftlichen Entwicklung auf einem historischen Höchststand, stellt die Hans-Böckler-Stiftung in einer heute veröffentlichen Studie fest.

Demnach haben zwei Faktoren die materielle Ungleichheit in den vergangenen Jahren vor allem wachsen lassen: Hohe Einkommen hätten von „sprudelnden Kapital- und Unternehmenseinkommen“ profitiert und dadurch die große Mehrheit der Haushalte in Deutschland hinter sich gelassen. Gleichzeitig seien die 40 Prozent der Haushalte mit den niedrigsten Einkommen weiter zurückgefallen.

Durch diese Entwicklung liege die Armutsquote auf einem hohen Niveau. Die Armutslücke, das ist das Jahreseinkommen, das armen Haushalten rechnerisch fehlt, um 60 Prozent des mittleren Einkommens zu überschreiten, ist zwischen 2011 und 2016 preisbereinigt um 29 Prozent gewachsen: Um 779 auf mehr als 3.400 Euro.

Studienautorin Dorothee Spannagel sagte, die Polarisierung in Deutschland gehe weiter. Die Ränder der Einkommensverteilung strebten auseinander. „Der Niedriglohnsektor ist weiterhin sehr groß und ärmere Haushalte fallen zurück, während sich reiche weiter absetzen.“ Hinzu kommt, dass Deutschlands Superreiche, also Multimillionäre und Milliardäre, die vom langjährigen Boom bei Aktien und Immobilien besonders stark profitiert haben, statistisch nur schwach erfasst werden.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre mache deutlich, dass eine positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung nicht ausreiche, um Ungleichheit und Armut zu reduzieren, resümiert Verteilungsexpertin Spannagel. Zumal, wenn politische Weichenstellungen nachwirkten, welche einen Anstieg der Einkommensungleichheit begünstigt haben. Dazu zählt die Wissenschaftlerin auch die Steuerpolitik der vergangenen zwei Jahrzehnte: Während reiche Haushalte von der Senkung des Spitzensteuersatzes, der pauschalen Abgeltungssteuer oder der Reform der Erbschaftsteuer mit ihren zahlreichen Ausnahmen für Betriebsvermögen profitierten, wurden ärmere Haushalte durch höhere indirekte Steuern zusätzlich belastet.

 

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