Von der Vision in die Tat – ein Strombad für alle

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Strombad Cottbus
(Foto: Cornelia Meißner)

Am Spreeufer lagern Familien, Kinder springen vom Steg in den Fluss. Die Sonne scheint und in der (Chekov) Palettenbude gibt es Erfrischungsgetränke. Gerade schieben sich Musiker mit Instrumentenkoffern durchs Tor. Sie proben hier und grüßen im Vorbeigehen die Sprayer, an ihren legalen Wänden immer neue Kunstwerke. Mit der roten Sonne kommen Menschen, um dem leisen Konzert zu lauschen, einen guten Wein aus der Region und kulinarische Häppchen zu genießen. Bald nutzen Künstler das alte Flussbad für ein Symposium…

„Ja, so ähnlich kann die Zukunft im Strombad sein. Ein verbindender, schöner Ort für alle, an dem sich jeder auch selbst einbringen kann“, Regina Segieth ist Mitbegründerin des Strombad-Vereins, dem neuen Trägerverbund des ehemaligen kombinierten Fluss- und Kunstbades. Zur Gründung im März 2018 waren sie zwölf Mitglieder; Privatpersonen, vier Vereine aus der Kinder- und Jugendhilfe sowie Leute aus Kunst und Kultur.

Das schöne Gelände mit hohem Baumbestand, Liegewiese, Badestelle an der Spree und Schwimmbecken war ab 1925 Anlaufpunkt zahlreicher Cottbuser*innen. Viele Ältere haben hier Schwimmen gelernt, sprangen vom Turm, haben sich vielleicht sogar verliebt. 1992 wurde der Betrieb des größten und ältesten deutschen kombinierten Fluss- und Kunstbades eingestellt. Für die Eigentümerin, die Stadt, war der Weiterbetrieb als Badeanstalt ineffizient. 1993 ging das Gelände an einen Verein zur Betreibung von Projekten der Kinder- und Jugendarbeit.

In seine Zeit von 2006 bis 2008 fallen die umfangreiche Sanierung und die Neueinrichtung der kleinen Flussbadestelle, die mit Fördermitteln und einem Höchstmaß an Eigenleistung in Arbeitsstunden durch die Cottbuser*innen selbst realisiert wurde. Die städtische Unterstützung lief 2015 aus, so dass der Unterhalt des Strombades für den Jugendhilfe e.V., der seit 2001 Betreiber war, immer schwieriger wurde, und der Vertrag endete schließlich im Juni 2018. Es folgte die erneute Betreibersuche. Interesse bekundete auch der Stadtsportbund, doch der Schlüssel ging im März an den Strombad-Verein mit Mietvertrag bis 2024. Damit bleibt das Strombad einer thematisch breiten Öffentlichkeit erhalten.

„Wir wollen das Gelände beleben. Es ist als Treffpunkt für die Cottbuser Bürger*innen offen für jeden von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends.“ Regina Segieth spricht stellvertretend für den Verein. „Die Räumlichkeit sind perfekt geeignet für Seminare und Workshops, Geburtstage, natürlich für Kinder- und Jugendarbeit, aber auch für Schulausflüge und außergewöhnliche Unterrichtstage, vielleicht auch kleine Sportfeste. Das Gelände bietet Platz für Werkstätten, z.B. RepairWorkshops oder Tauschbörsen. Neu für unsere Initiative ist die Öffnung hin zu Kunst und Kultur. In den Eingangsgebäuden sollen Ausstellungen und kleine Vernissagen stattfinden. Es könnte Symposien geben, kleine Kunstfestivals und Konzerte – eben kleine, feine Veranstaltungen.“

Aktuell steht noch alles auf Anfang. Nach der Gründung des Trägerverbundes müssen Ideen gesammelt, sortiert und kanalisiert in die Tat umgesetzt werden. Auch ist noch nichts „in Stein gemeißelt“. „Wir würden uns sehr über weitere Mitglieder freuen. Das geht als Förder- oder direktes Mitglied. In den nächsten Wochen kommen wir zusammen, um die Motive der einzelnen Akteure noch besser zu verstricken. Das ist ein guter Moment, um sich ebenfalls einzubringen. Vielleicht haben auch Künstler schon ein direktes Projekt vor Augen oder ein paar Leute planen eine tolle Aktion. Die sind alle herzlich eingeladen“, wirbt Regina Segieth.

Auf der Internetseite und in den sozialen Medien werden alle aktuellen Termine bekannt gegeben. Dort finden sich auch die Infos zu Vermietung und Preisen. Derzeit sind zum Beispiel noch Proberäume frei. „Die Nutzung kostet 200 € im Monat. Uns wurde gespiegelt, das wäre sehr teuer. Aber erstens können wir über alles reden und zweitens bleibt das Nutzungsentgelt auch, wenn sich mehrere Bands einen Raum teilen“, erklärt Regina Segieth. Bisher erfolgt die Finanzierung des Vereins ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Mieten, langfristig wünschen sie sich auch geförderte Projekte auf das Gelände.

Für Regina Segieth ist das Strombad eine Herzensangelegenheit, denn seit 1993 ist sie regelmäßig hier: „Das Strombad ist ein besonderes Kleinod, ein grünes Paradies, zentral gelegen, am Ufer der Spree. Als das älteste, kombinierte deutsche Fluss- und Kunstbad mit dem denkmalgeschützten Ensemble reiht es sich in die Liste der Cottbuser Einzigartigkeiten mit Staatstheater und Weltspiegel ein. Daraus sollten wir was machen und dem Ort seine Kontinuität als Teil des städtischen Lebens zurückgeben!“

Mehr Informationen und alle Kontakte: www.strombad-cottbus.de und  die nächste gute Gelegenheit, das Strombad und seine Menschen kennenzulernen: 1. Mai – Tag der Solidarität, ein Aktionstag mit Musik, Spielen und jede Menge Informationen.

Cover Blicklicht Ausgabe Mai 2019

Dieser Artikel erschien zuerst in der Mai-Ausgabe unserer Kulturzeitschrift “Blicklicht“.

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