Waldspaziergang am Tagebau Nochten: Verkleinerung des Tagebaues zum Schutz der Dörfer nötig

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Waldspaziergang am Tagebau Nochten
(Foto: www.ideengruen.de | markus pichlmaier)

Etwa 100 Teilnehmer kamen am Sonntag am Tagebau Nochten auf dem von der Umweltgruppe gepachteten Waldgrundstück zusammen. Auf einem Waldspaziergang der GRÜNEN LIGA – Umweltgruppe Cottbus wurde die Forderung unterstrichen, dass der Tagebau ausreichend Abstand zu den benachbarten Dörfern einhalten muss.

Neben Betroffenen aus der Lausitz kam auch der Naturführer Michael Zobel auf dem Rheinland zu Wort. Zobel, der mit seinen Waldführungen am bedrohten Hambacher Wald bundesweite Berühmtheit erlangte, kritisierte den zögerlichen Kohleausstieg. Für den Wald in Deutschland sei die aktuelle Wasser- und Klimakrise bereits schon heute eine Katastrophe. Für Zobel lohne es sich um „jeden Quadratmeter Wald“ zu kämpfen, auch wie es derzeit in der Lausitz passiert. Jeden Tag, an dem weiter gebaggert wird, sei eine „Versündigung an der Schöpfung“, so der Naturführer.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch Gerhard Schinkel aus dem Rheinland und Paul Geigerzähler, Berliner Künstler mit sorbischen Wurzeln.

René Schuster von der Bundeskontaktstelle der GRÜNEN LIGA wies darauf hin, dass nach den aktuellen Vorstellungen des Bergbaubetreiber LEAG die Kohlegrube teilweise bis weniger als 200 Meter an Wohngrundstücke heranreichen soll. „Vor dem Hintergrund, dass Windkraftanlagen 1000 Meter Abstand halten sollen, ist es nicht mehr zu vermitteln, dass der Tagebau kurz vor den Vorgärten enden soll.“, forderte Schuster auf dem Waldspaziergang.

„Die durch den Kohleausstieg nicht mehr benötigte Kohle muss genau hier im Boden bleiben. Die geplante Überarbeitung des Braunkohlenplanes muss den Tagebau Nochten verkleinern: Damit Dörfer wie Rohne lebenswert bleiben, muss die Grube mehr Abstand halten“ sagte Adrian Rinnert vom 2013 gegründeten Bündnis „Strukturwandel jetzt“.

Verhältnisse wie im Hambacher Wald erwartet die GRÜNE LIGA nicht: „Als Pächter des Waldgrundstücks haben wir eine starke Rechtsposition ud werden der LEAG den Wald nicht zur Zerstörung überlassen. Dass Enteignungen für Kohletagebaue noch durchsetzbar sind, wird immer unwahrscheinlicher, die Behörden und Gerichte werden sich damit befassen müssen.“, kündigte Schuster an.

Erst Anfang September machte die GRÜNE LIGA mit einer Fotoausstellung in Dresdner Hoffnungskirche auf die Situation am Tagebau Nochten aufmerksam.

Der Tagebau Nochten 1 soll nach den Plänen des Kohlekonzerns LEAG nur etwa 200 Meter vor den Dörfern Trebendorf, Schleife, Rohne und Mulkwitz enden. Dabei muss durch den Kohleausstieg weitere Kohle im Boden bleiben. Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfgesellschaft EY für das Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass für den Kohleausstieg in der Lausitz etwa 80 Millionen Tonnen Kohle weniger benötigt als bisher zum Abbau genehmigt wurde.

Die Studie zur „Plausibilisierung der Unternehmensplanung der LEAG hinsichtlich der Nutzung von Braunkohle“ kommt auf 797 Millionen Tonnen Kohlebedarf, gerechnet ab Januar 2017. In den vier genehmigten Tagebaue der LEAG (also ohne dem noch nicht genehmigten Sonderfeld Mühlrose oder bereits durch die Brandenburger Landesregierung abgesagten Welzow-Süd Teilfeld II) lagen zu diesem Zeitpunkt noch etwa 877 Mio. t Kohle. Das bedeutet, dass nicht nur auf zusätzliche Abbaugebiete verzichtet werden muss, sondern auch mit Rahmenbetriebsplan genehmigte Tagebaue wie Nochten 1 zu verkleinern sind.

(pm)

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